Stahlfusion mit Tata

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Die Konkurrenten Thyssenkrupp und Tata schließen sich angesichts weltweiter Überkapazitäten beim Stahl zusammen und gründen den zweitgrößten Stahlkonzern Europas. Nach über zweijährigen Verhandlungen unterzeichneten beide Unter- nehmen am Samstag, 30. Juni, die Verträge für ein Stahl-Gemeinschaftsunternehmen. Damit ist auch der Weg frei für einen weiteren Umbau bei Thyssenkrupp. Die Strategie solle bis Mitte Juli vorgelegt werden, kündigte das Unternehmen ebenfalls an diesem Tag vor Investoren in Essen an.

Über die Details des Gemeinschaftsunternehmens wollen Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger und der Chef der Tata-Stahlsparte, Natarajan Chandrasekaran, am Montag in Brüssel informieren. Entstehen soll Europas zweitgrößter Stahlkonzern nach ArcelorMittal mit rund 48 000 Mitarbeitern, einem Umsatz von über 17 Milliarden Euro und Werken in Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden. Thyssenkrupp soll daran mit einem Anteil von 50 Prozent beteiligt sein. Erwartet werden jährlich wiederkehrende Synergien in Höhe von 400 bis 500 Millionen Euro. Das Gemeinschaftsunternehmen mit dem Namen Thyssenkrupp Tata Steel B.V. soll seinen Sitz in den Niederlanden haben. «Mit dem Joint Venture sichern wir uns langfristig eine wettbewerbsfähige Position in der europäischen Stahlindustrie – mit einem überzeugenden industriellen Konzept und auf Basis einer klaren strategischen Logik», sagte Hiesinger. «Damit erhalten wir langfristig Arbeitsplätze und erhalten Wertschöpfungsketten in europäischen Schlüsselindustrien.» Nach heftigen Protesten hatten zuletzt auch die Arbeitnehmervertreter Zustimmung signalisiert. «Ich bin froh, dass wir Klarheit haben und die Beschäftigten nach einer ewig langen Zeit der Unsicherheit nun wissen, wohin die Reise geht», sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende der Thyssenkrupp-Stahlsparte, Tekin Nasikkol. «Wir erwarten, dass die Belegschaft mitgenommen und offen kommuniziert wird.» Die deutschen Stahlkocher hatten zuvor eine Beschäftigungsgarantie bis zum 30. September 2026 sowie eine langfristige Standortsicherung erhalten. Geplant ist aber auch der Abbau von bis zu 4000 Stellen, davon etwa die Hälfte in Deutschland. Experten wie Professor Roland Döhrn vom RWI - Leibniz-Institut für Wirtschafts- forschung schließen Einschnitte beim Stahl auch künftig nicht aus. «Solche Fusionen sind häufig der erste Schritt für Bereinigungen», sagte Döhrn. Der Stahlexperte zeigte sich jedoch überzeugt, dass die bei der Fusion ausgehandelten Garantien verlässlich seien. «Das größte Problem der Stahlindustrie ist, dass die Nachfrage durch den wirtschaftlichen Strukturwandel abnimmt», sagte Döhrn. Viele Produkte wie etwa Autos enthielten immer weniger Stahl, weil sie immer leichter würden. «Das sind Entwicklungen, denen kann sich die Branche nicht entziehen», sagte Döhrn. Weltweit stehe die Stahlbranche in den entwickelten Ländern daher vor weiteren Kapazitätsanpassungen. Für den seit sieben Jahren an der Spitze von Thyssenkrupp stehenden Hiesinger ist die Vereinbarung mit Tata ein lang erwarteter Befreiungsschlag. «Hiesinger sitzt jetzt wieder deutlich fester im Sattel», stellte Thomas Hechtfischer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpaperbesitz (DSW) fest. Zuletzt war er immer wieder unter Druck geraten, weil Anteilseigner wie der US-Hedgefonds Elliott oder Cevian Capital mehr Tempo bei dem seit langem angekündigten Umbau des Ruhrkonzerns gefordert hatten. «Jetzt ist es dringend notwendig, die Gelegenheit zu nutzen, um die erhebliche und andauernde Underperformance der Industriesparten zu beseitigen», forderte Cevian-Gründungspartner Lars Förberg am Sonntag (1. Juli). «Thyssenkrupp ist mit der Strategie des Konglomerats und seiner Matrixorganisation gescheitert. Jetzt muss für jede der Sparten konsequent geprüft werden, welche Struktur und welche Eigentumsverhältnisse am besten geeignet sind.» (dpa)